Blog · Notfall · 6 Minuten Lesezeit

Notfallhandbuch, das im Ernstfall funktioniert

Wenn die Server verschlüsselt sind, zählt nicht das 60-seitige Konzept, sondern die ersten zwei Seiten. Was hineingehört und wo es liegen muss.

Von René Eck, Geschäftsführer ITSB Deutschland · 07.10.2026

Der Moment, in dem das Handbuch gelesen wird

Montagmorgen, 7:40 Uhr. Die Produktionsplanung zeigt eine Lösegeldforderung, das Telefon der IT ist besetzt, der Geschäftsführer ist im Auto. In diesem Moment liest niemand ein Konzept mit Rollenmodellen. Gelesen wird eine Seite: Wen rufe ich an, was darf ich nicht tun, was sage ich den Mitarbeitenden.

Die ersten zwei Seiten

  • Sofortmaßnahmen: Netzwerkkabel ziehen, nicht ausschalten, nichts löschen, Screenshots machen, Zeitpunkt notieren.
  • Alarmkette mit Mobilnummern, nicht mit Durchwahlen: IT-Leitung, Geschäftsführung, Systemhaus, Datenschutzbeauftragter, Versicherung, Anwalt.
  • Meldungen: Datenschutzbehörde binnen 72 Stunden, BSI binnen 24 Stunden bei NIS2, Polizei. Mit vorformulierten Texten.
  • Kommunikation: Wer spricht mit Kunden, wer mit der Presse, wer mit den Mitarbeitenden. Und welcher Kanal funktioniert, wenn E-Mail tot ist.
  • Wiederanlauf: Welche drei Prozesse zuerst, wo liegen die Backups, wer hat die Passwörter des Backup-Systems.

Wo das Handbuch liegen muss

Nicht nur auf dem Server, der gerade verschlüsselt ist. Ausgedruckt im Tresor, als PDF auf dem privaten Handy der Alarmkette, in einem Cloud-Speicher außerhalb der Firmendomäne. ITSB-OS exportiert das Notfallhandbuch als PDF und erinnert vierteljährlich an die Aktualisierung der Telefonnummern.

Üben, bevor es ernst wird

Einmal im Jahr eine Stunde Tischübung: Ein Szenario, die Alarmkette durchspielen, die Backups wirklich zurückspielen. Die Übung wird im Business-Continuity-Modul dokumentiert, das verlangen NIS2, ISO 27001 und die meisten Versicherer.

FAQ

Kurz beantwortet

Wie lang sollte ein Notfallhandbuch sein?

Die Sofortseite passt auf ein Blatt, die Alarmkette auf ein zweites. Der Rest, Wiederanlaufpläne je Prozess, darf länger sein, wird aber erst in Stunde zwei gebraucht.

Wer muss das Handbuch kennen?

Alle in der Alarmkette und jede Führungskraft. Mitarbeitende brauchen nur die Sofortmaßnahmen und eine Nummer.

Gibt es eine Vorlage?

Ja. ITSB-OS enthält eine Vorlage mit Sofortmaßnahmen, Alarmkette, Meldetexten und Wiederanlaufplan, die Sie mit Ihren Daten füllen.

Prüfen statt vermuten

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